Eine Fettleber klingt harmlos und wird oft nebenbei im Ultraschall entdeckt. Dabei ist sie die häufigste Lebererkrankung überhaupt und ein Warnsignal für den ganzen Stoffwechsel. Die gute Nachricht: Kaum ein Organ reagiert so gut auf eine Ernährungsumstellung wie die Leber.
Was früher „nichtalkoholische Fettleber" (NAFLD) hieß, wird heute als MASLD bezeichnet — metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung. Der neue Name benennt die Ursache statt dessen, was sie nicht ist.
Zur Definition gehört, dass eine Stoffwechselstörung vorliegt und der Alkoholkonsum begrenzt ist: unter 140 Gramm pro Woche bei Frauen, unter 210 Gramm bei Männern. Betroffen sind nach aktuellen Angaben rund 38 Prozent der Erwachsenen weltweit — die Fettleber ist damit alles andere als ein Randthema.
Eine Fettleber kommt selten allein. Sie geht typischerweise mit Insulinresistenz, ungünstigen Blutfetten, Bluthochdruck und erhöhtem Bauchumfang einher — dem Bild des metabolischen Syndroms.
Deshalb betonen die Leitlinien ausdrücklich, dass bei MASLD auch das kardiovaskuläre Risiko eingeschätzt und Diabetes vorgebeugt oder behandelt werden muss. Die häufigste Todesursache bei Fettleber ist nicht die Leber, sondern das Herz.
Die Empfehlungen sind erfreulich konkret. Eine aktualisierte Leitlinie von 2025 nennt drei Punkte:
Mediterrane Ernährung wird für ALLE Betroffenen empfohlen — unabhängig vom Gewicht.
Bei Übergewicht ist ein Gewichtsverlust von 7 bis 10 Prozent das Ziel.
Bei fortgeschrittener Fibrose wird vollständiger Alkoholverzicht empfohlen; Rauchstopp wird in jedem Stadium empfohlen.
Bei 90 Kilogramm sind das 6 bis 9 Kilogramm. Das ist kein Wunschgewicht aus der Jugend, sondern eine Größenordnung, die über mehrere Monate realistisch erreichbar ist. Und genau in diesem Bereich zeigt sich bei der Leber die größte Veränderung.
Wichtig ist das Tempo. Sehr schnelle Gewichtsabnahme kann die Leber zusätzlich belasten. Ein halbes bis ein Kilo pro Woche ist die vernünftige Größenordnung.
Ein systematischer Review von 2025 hat 25 hochwertige Studien am Menschen zu Olivenöl bei MASLD ausgewertet. Interventionen mit nativem Olivenöl extra verbesserten die Leberverfettung, die Leberwerte ALT und AST sowie Entzündungsmarker — besonders in Kombination mit kalorienreduzierter oder mediterraner Kost.
Zwei Details aus der Arbeit sind praktisch relevant: Der Effekt war dosis- und sortenabhängig, mit deutlicheren Verbesserungen ab etwa 30 bis 50 Gramm täglich. Und natives Olivenöl extra schnitt besser ab als raffinierte Olivenöle — die Polyphenole scheinen zu zählen.
Die Einschränkung nennen die Autorinnen und Autoren selbst: Die Studien sind heterogen, hochwertige randomisierte Arbeiten fehlen. Olivenöl ist ein sinnvoller Baustein, kein Medikament.
Meist sind es drei Dinge, die bei einer Fettleber am meisten ausmachen: gezuckerte Getränke, größere Mengen Alkohol und ein Alltag fast ohne Bewegung. Fruktosereiche Getränke sind dabei besonders relevant, weil Fruktose in der Leber verstoffwechselt wird.
Erst danach geht es um Feinheiten. Wer täglich eine Limo trinkt, gewinnt mehr durch das Weglassen als durch jede Optimierung der Olivenölsorte.
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, üblicherweise per Ultraschall. Entscheidend ist die Frage nach der Vernarbung (Fibrose) — dafür gibt es Rechenwerte wie den FIB-4 und Verfahren wie die Elastographie.
Das ist wichtig, weil die Fibrose darüber entscheidet, wie ernst die Lage ist und ob vollständiger Alkoholverzicht nötig wird. Diätologie ohne diese Einordnung arbeitet im Blindflug — bring deine Befunde also gern mit.
Im frühen Stadium ja — die Leber hat eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit. Ist bereits eine ausgeprägte Vernarbung entstanden, ist das nur begrenzt möglich. Genau deshalb ist die Abklärung der Fibrose so wichtig.
Genau darum ging es bei der Umbenennung. Die häufigste Form der Fettleber entsteht nicht durch Alkohol, sondern durch die Stoffwechsellage: Insulinresistenz, Übergewicht, viel Zucker und Bewegungsmangel. Alkohol kann zusätzlich belasten, ist aber nicht die Ursache.
Für Mariendistel und ähnliche Präparate gibt es keine belastbare Evidenz, die den Einsatz bei MASLD rechtfertigen würde. Die Leitlinie empfiehlt sie nicht. Das Geld ist in guten Lebensmitteln besser angelegt.