Der Name hat sich geändert, die Erkrankung nicht: Aus dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) ist nach einem internationalen Konsensverfahren das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS) geworden. Was das bedeutet, warum ausgerechnet der Stoffwechsel jetzt im Namen steht — und was die Ernährungsforschung dazu tatsächlich belegt. Mit Quellen zum Nachlesen.
Der Begriff „polyzystisch" war von Anfang an irreführend. Was im Ultraschall als Zysten erschien, sind in Wirklichkeit zahlreiche in ihrer Entwicklung stehengebliebene Follikel — keine krankhaften Zysten. Dazu kommt: Nicht alle Betroffenen zeigen dieses Bild überhaupt. Der alte Name lenkte den Blick auf die Eierstöcke und auf die Fruchtbarkeit, obwohl es sich um eine lebenslange hormonell-metabolische Erkrankung handelt.
Ein internationales Konsensverfahren hat den Namen deshalb geändert. Beteiligt waren 56 Fach- und Patientenorganisationen, über 22.000 Umfrageantworten und mehrere Delphi-Runden. Das Ergebnis: polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom, kurz PMOS. Fachleute ziehen die Parallele zur Umbenennung der nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD) in die metabolische Fettlebererkrankung (MASLD) — auch dort rückte der Stoffwechsel in den Namen.
Vorausgegangen war eine große internationale Befragung: 85,6 Prozent der Betroffenen und 76,1 Prozent der Fachleute sprachen sich für eine Namensänderung aus. Am meisten Zustimmung fanden die Begriffe „endokrin" und „metabolisch" — genau sie stehen jetzt im Namen.
Wichtig für alle, die schon eine Diagnose haben: Die Diagnosekriterien bleiben unverändert. Bei Erwachsenen müssen zwei von drei Punkten erfüllt sein:
Unregelmäßiger Zyklus beziehungsweise gestörter Eisprung
Klinische oder im Labor nachgewiesene Hyperandrogenämie (erhöhte männliche Hormone)
Erhöhtes Anti-Müller-Hormon (AMH) oder viele Follikel im Ultraschall
In der Pubertät überschneiden sich die Zeichen mit der normalen Entwicklung. Deshalb verlangen die internationalen Leitlinien bei Jugendlichen beide Kriterien gemeinsam: unregelmäßiger Zyklus UND Hyperandrogenämie. Ultraschall und AMH sollen zur Diagnose in dieser Altersgruppe ausdrücklich nicht herangezogen werden, weil sie zu unspezifisch sind. Wer nur eines der Merkmale zeigt, gilt als „at risk" und wird weiter beobachtet.
Genau hier liegt der Grund, warum mich das als Diätologin betrifft. PMOS ist keine reine Eierstock-Angelegenheit, sondern ein Zusammenspiel aus gestörter Androgenproduktion, Insulinsignalweg, neuroendokriner Steuerung und Eierstockfunktion. Im Vordergrund stehen Insulinresistenz, erhöhte Blutzuckerwerte, ungünstige Blutfette, kardiovaskuläres Risiko und die metabolische Fettlebererkrankung.
Betroffen sind etwa 10 bis 13 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter — rund jede achte. Trotzdem wird die Diagnose bei bis zu 70 Prozent verzögert gestellt. Viele Frauen laufen jahrelang mit Beschwerden herum, ohne zu wissen, dass sie zusammengehören.
Wie ernst die Stoffwechselseite ist, zeigt eine Metaanalyse mit über einer Million Frauen, die in die Leitlinie 2023 einfloss: Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse insgesamt war erhöht (Odds Ratio 1,68), ebenso für Herzinfarkt (2,50) und Schlaganfall (1,71). Die Leitlinie empfiehlt seither ausdrücklich eine umfassende Risikoeinschätzung.
Die internationale Leitlinie von 2023 umfasst 254 Empfehlungen und stellt einen gesunden Lebensstil an den Anfang der Behandlung. Ein systematischer Review von 2025 fasst zusammen, welche Ernährungsansätze die Insulinempfindlichkeit und die Hormonlage verbessern:
Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index
Ballaststoffreiche Kost
Omega-3-reiche Ernährung
Mediterrane Ernährung
Antioxidantien- und entzündungsarme Kost
Eine moderate Kalorienreduktion, wenn Gewichtsabnahme ein Ziel ist
Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining verbessern die Insulinempfindlichkeit und die metabolischen wie reproduktiven Endpunkte. Das ist kein Zusatz zur Ernährung, sondern eine eigene Säule. In der Praxis heißt das: zwei kurze Krafteinheiten pro Woche bringen oft mehr als eine weitere Verschärfung des Essensplans.
Kaum ein Thema wird bei PMOS so heiß diskutiert. Zwei Metaanalysen aus 2025 haben die Studien zusammengefasst, und das Bild ist differenzierter, als es in sozialen Medien klingt.
Im direkten Vergleich mit anderen Ernährungsformen zeigte die ketogene Ernährung Vorteile beim BMI (mittlerer Unterschied −1,65) und beim Gewicht (−4,98 kg) sowie bei der Insulinresistenz und dem luteinisierenden Hormon (LH). Die viel größeren Zahlen, die oft zitiert werden — etwa −10,8 kg — stammen aus Vorher-Nachher-Vergleichen ohne Kontrollgruppe und sagen deutlich weniger aus.
Die Einschränkungen benennen die Autorinnen und Autoren selbst deutlich: wenige Studien, kleine Teilnehmerzahlen, hohe Heterogenität, überwiegend Frauen mit einem BMI über 25, und es fehlen belastbare Langzeitdaten. Mein Fazit für die Beratung: Ketogene Ernährung ist eine Option, kein Standard — und die entscheidende Frage ist, ob du sie über Jahre durchhältst.
Eine Metaanalyse von 2025 fand über fünf Studien hinweg günstige Effekte: Gewicht (−4,25 kg), BMI, Nüchternblutzucker, Nüchterninsulin, Insulinresistenz (HOMA-IR), Triglyzeride, DHEA-S, freier Androgenindex und CRP sanken, das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) stieg. Kein Unterschied zeigte sich beim Gesamttestosteron, beim AMH und bei den meisten Cholesterinwerten.
Fünf Studien sind allerdings wenig. Die Autorinnen und Autoren stufen die Evidenz selbst als vorläufig ein. Wer gut damit zurechtkommt, kann es versuchen — wer zu Essanfällen neigt oder eine Essstörung in der Vorgeschichte hat, sollte davon absehen.
Die bislang umfassendste Auswertung fasst 79 randomisierte Studien mit 5.501 Teilnehmerinnen zusammen und vergleicht die Präparate direkt miteinander. Die Ergebnisse sind nüchterner, als die Werbung vermuten lässt:
Inositol senkte Gesamtcholesterin und Triglyzeride.
Omega-3 war am wirksamsten bei der Insulinresistenz (HOMA-IR).
Chrom verbesserte FSH, die antioxidative Kapazität und die VLDL-Werte.
Kein signifikanter Unterschied zu Placebo zeigte sich bei Gesamttestosteron, SHBG, DHEA und hochsensitivem CRP.
Ergänzungsmittel können einzelne Werte verbessern, sie ersetzen aber keine Ernährungsumstellung. Wer 60 Euro im Monat für Inositol ausgibt und weiter unregelmäßig isst, investiert an der falschen Stelle. Ob und welches Präparat in deinem Fall sinnvoll ist, besprechen wir am besten mit deinen Laborwerten — und in Abstimmung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Ich starte nicht mit einer Diätform, sondern mit deiner Ausgangslage: Laborwerte, Zyklus, Beschwerden, Alltag, Essverhalten. Daraus ergibt sich, wo der größte Hebel liegt — bei der einen ist es die Mahlzeitenstruktur, bei der anderen die Ballaststoffmenge, bei der dritten der Umgang mit Heißhunger.
Was ich ausdrücklich nicht mache: Gewicht zum alleinigen Maßstab erklären. Die Leitlinie weist eigens darauf hin, gewichtsbezogene Risiken zu erklären, ohne Gewichtsstigma zu erzeugen. Auch schlanke Frauen können eine ausgeprägte Insulinresistenz haben.
PMOS gehört diagnostiziert und begleitet — durch Gynäkologie oder Endokrinologie. Die Diätologie ergänzt diese Behandlung, sie ersetzt sie nicht. Wichtig ist die ärztliche Abklärung auch deshalb, weil andere Erkrankungen ähnliche Zeichen machen können und ausgeschlossen werden müssen.
Bei Kinderwunsch, bestehender Schwangerschaft oder wenn Medikamente wie Metformin oder die Pille im Spiel sind, arbeiten wir eng mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zusammen. In der Schwangerschaft ist PMOS mit erhöhten Risiken verbunden, unter anderem für Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck — ein Grund mehr für gute Begleitung.
Die Umstellung läuft gerade an — inklusive der Anpassung von ICD-Codes. In der Praxis wirst du noch lange beide Begriffe hören, und viele Ärztinnen und Ärzte sagen weiter PCOS. Beides meint dieselbe Erkrankung, und deine Diagnose bleibt gültig.
Nein. Die Studien zeigen Vorteile für eine niedrigere glykämische Last, nicht für ein Verbot. Vollkorn, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse gehören ausdrücklich dazu — sie liefern die Ballaststoffe, die den Blutzuckeranstieg dämpfen. Entscheidend ist die Art und die Kombination der Kohlenhydrate, nicht ihr Verschwinden.
Ja. Insulinresistenz und Hyperandrogenämie treten auch bei normalem Gewicht auf. Der Schwerpunkt liegt dann nicht auf Gewichtsabnahme, sondern auf Mahlzeitenstruktur, Ballaststoffen, Eiweiß und Bewegung. Die meisten Studien wurden allerdings an Frauen mit einem BMI über 25 durchgeführt — die Daten für schlanke Betroffene sind dünner.
Die Netzwerk-Metaanalyse fand für Inositol günstige Effekte auf Gesamtcholesterin und Triglyzeride. Auf Testosteron und SHBG zeigte sich über alle Präparate hinweg kein signifikanter Unterschied zu Placebo. Inositol kann also eine sinnvolle Ergänzung sein, ist aber kein Ersatz für die Ernährungsumstellung.